Bildung endlich zeitgemäß gestalten

Beschlossen am 29.01.2022 von der Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Jena

Bildung endlich zeitgemäß gestalten

Kaum eine Bevölkerungsgruppe wurde durch die Corona-Pandemie so stark belastet
wie Schülerinnen und Schüler. Doch nicht erst seit Beginn der Pandemie wird über
die Köpfe von jungen Menschen hinwegentschieden. Eine gutes Bildungssystem ist
die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. Deshalb muss diesem Thema
wieder eine angemessene Aufmerksamkeit zukommen und an stetigen Verbesserungen
gearbeitet werden.

Corona-angepasstes Lernen ermöglichen

In der Coronakrise zeigt sich erneut, wie zerbrechlich unser Bildungssystem ist.
Um eine nachhaltige Bildung zu erreichen, sowie um einer stärkeren sozialen
Ungerechtigkeit vorzubeugen, ist Unterricht in Präsenz zu bevorzugen. Sollte
Präsenzunterricht nicht durchgeführt werden können, liegt es auch in der
Verantwortung der Stadt Jena, qualitativ hochwertige Formate der
Distanzbeschulung mit festgelegten Bildungsstandards für den Distanzunterricht
zu garantieren. Es liegt deshalb auch in der Verantwortung der Stadt,
selbstständiges und unterstütztes E-Learning auf geeigneten Gebieten zu fördern.

Genügend Personal für vielfältige Aufgaben

Eine Schule soll über eine geeignete Menge an Schulpsycholog*innen,
Sonderpädagog*innen, Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen,
Integrationshelfer*innen, Lerntherapeut*innen, Erzieher*innen,
Verwaltungsmitarbeiter*innen und Physiotherapeut*innen verfügen, sodass sich
Lehrer*innen auf ihre Hauptaufgabe – das Unterrichten – konzentrieren können.
Nur so lässt sich gute Bildung inklusiv für alle Schüler*innen gestalten. Das
bedeutet auch, dass Personal zur Kommunikation mit Eltern vorhanden sein muss,
um eine transparente Zusammenarbeit mit diesen zu ermöglichen.

Um sich ganz auf das Lehren und Lernen konzentrieren zu können, ist es
unerlässlich, dass die Organisation der Schule jederzeit problemfrei möglich
ist. Deswegen fordern wir, jede freiwerdende Stelle in der Schulleitung einer
Schule sofort neu zu besetzen. Wenn keine Bewerber*innen für die jeweilige
Position zu finden sind, ist für diese ein Mitglied einer Schulleitung einer
anderen Schule abzuordnen, welche die Stelle in Form einer Teilzeitstelle
übernimmt.

Bildung für Lehrpersonal

Jena hat als Ausbildungsstandort für Lehrer*innen der weiterführenden Schulen in
Thüringen eine besondere Bedeutung für die Lehramtsausbildung. Wir als Grüne
Jugend Jena fordern deshalb eine Veränderung der Lehramtsausbildung bezüglich
des Praxisanteils. Es sollte mehr schulpraktische Übungen und verpflichtende
Praktika in verschiedenen Schulformen geben, wobei diese aber in das Studium
integriert werden sollten. Zudem fordern wir, dass das Praxissemester entgeltet
werden muss.

Gemäß den Forderungen der Kultusministerkonferenz fordern wir neben einer
stärkeren Praxisorientierung eine bessere Verzahnung der einzelnen
Ausbildungsphasen, eine stärkere Unterstützung in der Berufseinstiegsphase und
eine Verbesserung der diagnostischen und methodischen Kompetenzen der
Lehrkräfte.

Um der Heterogenität der Schülerschaft gerecht zu werden, sollte jede*r
Lehramtsstudent*in ein Modul zu Deutsch als Fremdsprache belegen müssen.

Auch nach Dienstantritt, ist eine stetige Weiterbildung für Lehrpersonen
verpflichtend. Hierfür soll die Stadt ggf. externes Coachingpersonal zur
Durchführung von „Micro-Teaching“, also das Filmen von Unterrichtssequenzen und
deren Auswertung, anstellen.

Als präventive Maßnahme gegen alltagsferne und veraltete Unterrichtsformen
halten wir es für notwendig, das Lehrpersonal im Zusammenspiel von digitaler
Technik und Unterricht zu schulen.

Mittbestimmung bei Unterrichtsinhalten

Das Fundament einer guten Bildung stellen deren Lehrinhalte dar. Auch an dieser
Stelle bedarf es einer gut organisierten Mitbestimmung derer, die diese Inhalte
und Fähigkeiten erlernen sollen. Daher fordern wir eine demokratisch
organisierte Aktualisierung des Thüringer Lehrplans. Als Inhalte eines neuen
Lehrplans schlagen wir vor: Eine verpflichtende Bildungsreise nach Buchenwald;
Lernen und kritisches Denken und eine deutliche Ausweitung alltagstauglicher und
lebensorientierter Bildungsinhalte. Gemeinsam mit der Schülerschaft soll ein
Überdenken der Unterrichtsfächer und des Ortes Schule bewerkstelligt werden.

Generell sollte die Notwendigkeit von Hausaufgaben und der Benotung in
Nebenfächern, vor allem in der Grundschule, auf den Prüfstand gestellt werden.
Schulen sollen einen Ganztagsansatz verfolgen.

Demokratische Teilhabe für Schüler*innen

Wir fordern mehr Demokratieförderung, z.B. in Form eines Aufbaus von
demokratisch gewählten Kinder- und Jugendräten mit echten Mitspracherechten bei
jugendrelevanten Themen; die Anregung der Schüler zu sozialem und
gesellschaftlichem Engagement z.B. in der Seniorenhilfe.

Wir müssen insbesondere die Demokratisierung der Bildungspolitik auf Stadt-
sowie Landesebene fördern. Dafür muss eine Problemanalyse der derzeitigen Art
der Schüler*innen-Mitbestimmung in Jena vorgenommen werden.

Kitas

Auch die frühkindliche Bildung sollte einige Verbesserungen erfahren. Wir
fordern eine Förderung der Angebote von Tagesmüttern für Kindergartenkinder und
eine Erhöhung des Betreuungsschlüssels zur Ermöglichung kleinerer Gruppen in
Kindertagesstätten.

Bei Kindertagesstätten ist der Ganztagsansatz zu unterstützen und zu fördern.

Schulgebäude besser nutzen und ausrüsten

Eine Zerstreuung von Schulstandorten verhindert effektiveres Lernen. Deshalb
fordern wir, die baulichen Maßnahmen zu ergreifen, die einen einzigen
Schulstandort je Schule möglich machen. Bei Neubauten sollen die Entwicklung und
der Bau neuer Schulgebäudekomplexe als Schulcampi forciert werden. Die Schulen
müssen lernfreundlich gestaltet sein, sodass sie z.B. Rückzugs- und
Begegnungsmöglichkeiten bieten. Auch die Schulhöfe sollen an die Bedürfnisse der
Schüler*innen angepasst werden, wobei deren Ideen miteinbezogen werden müssen.

Des Weiteren fordern wir eine bessere Auslastung der Schulgebäude durch
außerunterrichtliche Ganztagsangebote. Um dies umzusetzen, ist eine verbindlich
festgeschriebene Öffnung der Schulräume für Vereine mit in der Satzung
verankertem Bildungszweck und anderen Bildungsinstitutionen nötig.

Grundausstattung sicherstellen

Ein längst fälliger Schritt für gesundheitlich sicheren Unterricht ist die
finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Luftfiltern für Schulen durch
die Kommune und das Land.

Alle Schulen sollen einen geeigneten Internetzugang, Computerkabinette,
Tabletklassen und Whiteboards besitzen. Für die Wartung dieser Ausrüstung ist
eine ausreichend hohe Zahl an Personal einzustellen, um eine schnelle und
reibungslose Nutzung zu ermöglichen.

Auch jede andere Form der Ausrüstung, vor allem Spezialausrüstung für
Förderschulen, ist im ausreichenden Maße zur Verfügung zu stellen und durch
dafür eingestelltes Personal regelmäßig und zeitnah zu warten.

Schule darf keine hohen Kosten verursachen

Um gute Bedingungen für das Lernen vollumfänglich sicherzustellen, sollten alle
Schüler*innen sowohl ein Frühstück als auch ein Mittagessen einnehmen können,
was bedeutet, dass beides im Zweifelsfall kostenfrei zur Verfügung gestellt
werden muss. Wir fordern für Jena eine gesunde, nachhaltige und regionale
Essensversorgung durch Schulküchen.

Auch der ÖPNV soll für Schüler*innen nicht mit Kosten verbunden sein. Eine
Kostenfreiheit für staatliche Musik-, Kunst- und ähnliche Schulen ist
wünschenswert. Nachhilfe und Exzellenzförderung müssen zwangsläufig kostenfrei
für alle Schüler*innen mit Bedarf zur Verfügung gestellt werden.

Inklusion muss endlich umgesetzt werden

Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und muss dadurch
Inklusion an Schulen umsetzen. Das bedeutet, dass Geld in die
Inklusionsfähigkeit der Gesamtschulen und anderer Schultypen gesteckt werden
muss, damit hier ein guter Unterricht für alle Schüler*innen möglich ist.

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